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Pflanzenschutz in homöopathischen Dosen?

Die Unkrautbekämpfung im Getreide wurde noch bis vor wenigen Jahren mit Präparaten durchgeführt, die der Landwirt oft mit 4 Liter pro Hektar (10.000 m²) ausbringen musste. Durch intensive Forschung ist es gelungen, die Unkräuter, die unsere Getreideerträge bedrohen, heute mit wenigen Gramm eines Wirkstoffs zu bekämpfen. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um hochgiftige Substanzen. Moderne Präparate sind in vielen Fällen oft weniger giftig als Kochsalz. Chemikalien des täglichen Bedarfs wie Benzin, Nikotin oder Koffein sind um ein Vielfaches toxischer. Die geringe Dosis hat noch andere positive Auswirkungen: Transport und Lagerung lassen sich leicht, kostengünstig und energieschonend durchführen, bei der Leergebindeentsorgung fallen ebenfalls nur geringe Mengen an. Hand in Hand mit diesen homöopathischen Aufwandmengen wurde auch die Spritztechnik modernisiert. Es gibt Produkte, von denen der Landwirt nur noch 5 Gramm im Spritzfass anrühren muss und diese dann auf 10.000 m² gleichmäßig verteilen kann. Aber nicht nur die Pflanzenschutzmittel selbst wurden immer leistungsfähiger, auch neue Anwendungsverfahren konnten die Aufwandmengen deutlich reduzieren. Musste die Blattlaus auf Rüben bis vor wenigen Jahren noch regelmäßig großflächig durch Besprühen bekämpft werden, ist dieser Schädling heute dank modernster Technologie kein Thema mehr. Vor der Aussaat wird der Rübensamen mit winzigsten Mengen eines Insektizides behandelt. Dadurch ist die junge, empfindliche Rübenpflanze wochenlang vor den Schädlingen zuverlässig geschützt, Spritzungen sind nicht mehr notwendig. Die Wirkstoffmenge je Hektar kann mit ca. 100 Gramm deshalb so gering gehalten werden, weil davon nichts verloren geht. Der Wirkstoff kommt wirklich nur dorthin, wo er gebraucht wird: genau zur Rübenpflanze und nicht wie bei einer Spritzung auch zwischen die Pflanzen. Für Raumkulturen wie Wein gibt es bereits modernste Spritzgeräte, die den – früher bei Spritzungen unvermeidlichen – Verlust von Spritzbrühe durch eine spezielle Technik auf ein Minimum reduzieren. Somit kommt der Wirkstoff nur noch auf die Blätter und verhindert dort gezielt die Ausbreitung von gefährlichen Pilzkrankheiten. Verluste auf den Boden oder in die Luft gibt es kaum mehr. Aber auch durch spezielle Monitoringverfahren und Computerprogramme kann der Einsatz minimiert werden: Elektronisch werden Parameter wie Niederschläge, Temperatur, Luft- und Blattfeuchte erfasst und mittels spezieller Software ausgewertet. So lassen sich der Termin und die Aufwandmenge für die optimale Behandlung ermitteln. Unnötige Spritzungen können dadurch eingespart, gleichzeitig der Effekt trotzdem erhöht werden.
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