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FCIO - Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs
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Weshalb verwendet die chemische Industrie keine Rohstoffe aus der Natur?

Im Gegenteil, nachwachsende Rohstoffe sind sehr wohl eine wichtige Rohstoffquelle für die chemische Industrie. Je nach Anforderungen und technischen Möglichkeiten kommen nachwachsende oder synthetische Rohstoffe in der Chemieproduktion zum Einsatz.

Die Chancen der Verwendung nachwachsender Rohstoffe sind dort am größten, wo nur wenige physikalische, chemische oder biotechnologische Veredelungsschritte notwendig sind. Oft sind Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen derzeit noch teurer als ihre aus fossilen Ressourcen hergestellten Äquivalente.

Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen - wie etwa der Ölsaatenanbau - bietet für die heimische Land- und Forstwirtschaft eine einträgliche Einkommensalternative. Aus pflanzlichen Ölen erzeugt die chemische Industrie u.a. Treibstoffe, Schmier- und Hydraulikstoffe sowie Metallbehandlungsmittel.

Großes Absatzpotential haben Rapsöl, aus dem Biodiesel-Treibstoff hergestellt werden kann, und pflanzliche Hydrauliköle. Weitere Anwendungsbereiche von Rapsöl finden sich neben dem Einsatz als Biodiesel in der Schmiermittel- bzw. Farben- und Lackproduktion. Auch ein neuartiger Asphalt konnte auf Basis von Rapsöl entwickelt werden: Rapsasphalt ist speziell für die Verschleißschicht von Straßen vorgesehen. In punkto Festigkeit ist dieser Asphalt den Straßenoberflächen aus petrochemischen Produkten sogar überlegen.

Der klassische nachwachsende Rohstoff Holz ist auch ein wichtiger Basisstoff für die Herstellung von Chemiefasern. Viskose beispielsweise ist die wichtigste aus Holz gewonnene Zellulose-Faser. Ihre Endprodukte reichen von Bekleidung über Verbandsmaterialien bis zu Cellophan.

Natürlich versus synthetisch

Trotz ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten haben nachwachsende Rohstoffe aber auch Nachteile: Die Inhaltsstoffe von Pflanzen schwanken je nach Witterung, Boden usw. Dies erschwert eine Produktion mit gleichbleibender Qualität. Mitunter eignen sich diese Materialien für manche Einsatzzwecke gar nicht.

Daher versucht die chemische Industrie, Stoffe aus der Natur, wie sie beispielsweise in Pflanzen vorkommen, auf chemischem Weg herzustellen. Der große Vorteil dabei: Das im Reaktionsgefäß produzierte Material weist für manche Anwendungen günstigere Eigenschaften auf als jenes Material, das aus der Natur gewonnen werden kann. Z.B. können mögliche Unverträglichkeiten durch Verunreinigungen, wie sie im natürlichen Material vorkommen, reduziert werden. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn der Stoff für die Herstellung von Produkten verwendet wird, mit denen Menschen unmittelbar in Kontakt kommen.

Ein Beispiel ist Kautschuk, der aus Gummibäumen natürlich gewonnen, aber auch synthetisch hergestellt werden kann. Für die Herstellung von Reifen und vielen anderen technischen Teilen kann das Naturprodukt herangezogen werden. Für Taucheranzüge oder Teppiche eignet sich hingegen Synthesekautschuk besser. Für Handschuhe dienen beide Rohstoffe je nach Einsatzzweck als Ausgangsmaterial.

 
Rückfragen an:   Dr. Franz Latzko
Telefon:   05 90 900 - 3367
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